Shakespeare an einen deutschen Fürsten
Theodor Fontane · 1819–1898
27 Zeilen in 3 Strophen · zuerst gedruckt 1851
Du liebst die Kunst, und ziehst ihr friedlich Walten,Ihr Auferbaun dem Lärm der Schlachten vor;Die Schönheit und das Ebenmaaß der Alten,Wie meines Geist’s lebendige Gestalten –Du würdigst sie mit oft erprobtem Ohr.Setz’ ein in alte, wohlverdiente RechteDie Dichterfürsten der Vergangenheit,Doch zwiefach schaff’ dem heutigen GeschlechteUnd seinen Dichtern, Fürst, Gerechtigkeit.
Die Kunst ist frei; sie duldet keine Fessel,All’ ihr Gesetz ist Schönheit und Natur;Das Schwert des Zornes und des Witzes NesselEntreiß ihr nicht, es braut ihr ZauberkesselAm Freiheitsfeuer Zaubertränke nur;Ich suchte mir und fand die Missethäter,Elisabeth, auf Deiner Väter Thron;Wer aber zahlt dem tückischen Verräther,Der Kronen trägt, auch heut noch seinen Lohn?
Wohlan denn Fürst, sei Du der Kunst Erretter,Nimm ihr das Joch, darin sie schuldlos litt,Frei sei der Dichter und die Welt der Bretter,Ob immer auch ein throngeborner VetterAls Richard Gloster auf die Bühne tritt.Du liebst die Kunst; was Licht und SonnenschimmerDer Blume sind, ist ihr die Fürstengunst,Doch wie die Blume, Fürst, im Erdreich immer,So wurzelt in der Freiheit alle Kunst.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Gedichte, S. 228–229, 1. Auflage, Carl Reimarus’ Verlag. W. Ernst., Berlin, 1851
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Shakespeare an einen deutschen Fürsten“, Fassung 3.027.988 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Theodor Fontane starb 1898; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1968 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118534262 der Deutschen Nationalbibliothek.
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