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Versbuch

Schwerin

Theodor Fontane · 18191898

56 Zeilen in 7 Strophen · zuerst gedruckt 1905

Nun aber soll erschallenDir Preis und Ruhm, Schwerin',Der Du vor Prag gefallen,Beim Sturme der Battrien;Es lebt in Eins verschlungen,„Schwerin“ und „Schlacht bei Prag“,Drum sei Dein Lob gesungenDurch Deinen Ehrentag. –

Des sechsten Maies MorgenSchwebt über Berg und Au,Der Feind ist wohlgeborgenDurch Gräben und Verhau;Es halten seine FlügelDie Höhen rings besetzt,Ein feuerspei’nder HügelIst jede Kuppe jetzt.

Hier wird die Schlacht geschlagen!Steil ist die Bergesbahn,Doch siegen und nicht wagen,Das heißt nur halb gethan;Die Grenadiere stürmen,Kartätschen prasseln drauf,Und vor den Hügeln thürmenSich Leichenhügel auf.

Am Boden liegt vernichtetSchwerin’s Leib-Bataillon;Ein Eichwald, tief gelichtet,So steht ein zweites schon;Getroffen sinkt daniederGen’ral von Winterfeld,Und die zerschoss’nen GliederNichts mehr im Feuer hält.

Sie fliehn. Die alte ErdeBebt selbst, als ob ihr’s graut,Da steigt Schwerin vom Pferde:„Mir nach“ so ruft er laut;Er faßt die alte Fahne,Noch nie zur Flucht gewandt,Daß er den Sieg erbahneMit seiner Greisenhand. –

Die Hügel sind erstiegen.Die Kaiserlichen fliehn,Doch trauervolles Siegen,Im Sterben liegt – Schwerin;Vier Kugeln, erzgegossen,Sie haben ihn zerfetzt,Die Fahne, die zerschossen,Sein Bahrtuch ist sie jetzt.

Die Truppen ziehn vorüberMit dumpfem Trommelschlag,Solch Tag des Glücks ist trüberAls mancher Unglückstag;Wie Wetterwolken-SchwereSieht man’s am Himmel ziehn,Sie ziehen vorauf dem Heere,Sich lagern über – Kolin.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Gedichte, Seite 267–268, 10. Auflage, J. G. Cotta’sche Buchhandlung Nachfolger, Stuttgart und Berlin, 1905
Digitalisat
de.wikisource.org — „Schwerin (Fontane)“, Fassung 1.624.565 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Theodor Fontane starb 1898; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1968 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118534262 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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