Der Spatz
Wilhelm Busch · 1832–1908
32 Zeilen in 8 Strophen · zuerst gedruckt [1960]
Ich bin ein armer Schreiber nur,Hab weder Haus noch Acker,Doch freut mich jede Kreatur,Sogar der Spatz, der Racker.
Er baut von Federn, Haar und StrohSein Nest geschwind und flüchtig,Er denkt, die Sache geht schon so,Die Schönheit ist nicht wichtig.
Wenn man den Hühnern Futter streut,Gleich mengt er sich dazwischen,Um schlau und voller RührigkeitSein Körnlein zu erwischen.
Maikäfer liebt er ungemein,Er weiß sie zu behandeln;Er hackt die Flügel, zwackt das BeinUnd knackt sie auf wie Mandeln.
Im Kirschenbaum frißt er verschmitztDas Fleisch der Beeren gerne;Dann hat, wer diesen Baum besitzt,Nachher die schönsten Kerne.
Es fällt ein Schuß. Der Spatz entfleuchtUnd ordnet sein Gefieder.Für heute bleibt er weg vielleicht,Doch morgen kommt er wieder.
Und ist es Winterzeit und hat’sGeschneit auf alle Dächer,Verhungern tut kein rechter Spatz,Er kennt im Dach die Löcher.
Ich rief: Spatz, komm, ich füttre dich!Er faßt mich scharf ins Auge.Er scheint zu glauben, daß auch ichIm Grunde nicht viel tauge.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Zu guter Letzt. In: Historisch-kritische Gesamtausgabe in vier Bänden. Band 4, S. 323, Vollmer, Wiesbaden u. Berlin, [1960]
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Der Spatz“, Fassung 3.778.996 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Wilhelm Busch starb 1908; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1978 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118517880 der Deutschen Nationalbibliothek.
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