Der alte Zieten
Theodor Fontane · 1819–1898
48 Zeilen in 6 Strophen · zuerst gedruckt 1905
Joachim Hans von Zieten,Husaren-General,Dem Feind die Stirne bieten,Er that’s wohl hundert Mal;Sie haben’s All’ erfahren,Wie er die Pelze wusch,Mit seinen LeibhusarenDer Zieten aus dem Busch.
Hei, wie den Feind sie bläuten,Bei Hennersdorf und Prag,Bei Liegnitz und bei Leuthen,Und weiter Schlag auf Schlag;Bei Torgau, Tag der Ehre,Ritt selbst der Fritz nach Haus,Doch Zieten sprach: „ich kehreErst noch mein Schlachtfeld aus.“
Sie kamen nie alleine,Der Zieten und der Fritz,Der Donner war der Eine,Der Andre war der Blitz.Es wies sich keiner träge,Drum schlug’s auch immer ein,Ob warm’, ob kalte Schläge,Sie pflegten gut zu sein. –
Der Friede war geschlossen,Doch Krieges Lust und Qual,Die alten SchlachtgenossenDurchlebten’s noch einmal;Wie Marschall Daun gezaudert,Und Fritz und Zieten nie,Es ward jetzt durchgeplaudertBei Tisch, in Sanssouci.
Einst mocht’ es ihm nicht schmecken,Und sieh’, der Zieten schlief,Ein Höfling wollt’ ihn wecken,Der König aber rief:„Laßt schlafen mir den Alten,Er hat in mancher NachtFür uns sich wach gehalten,Der hat genug gewacht.“ –
Und als die Zeit erfüllet,Des alten Helden war,Lag einst, schlicht eingehüllet,Hans Zieten, der Husar:Wie selber er genommenDie Feinde stets im Husch,So war der Tod gekommenWie Zieten aus dem Busch.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Gedichte, Seite 259–260, 10. Auflage, J. G. Cotta’sche Buchhandlung Nachfolger, Stuttgart und Berlin, 1905
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Der alte Zieten (Fontane)“, Fassung 1.661.105 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Theodor Fontane starb 1898; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1968 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118534262 der Deutschen Nationalbibliothek.
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