Der echte Dichter
Theodor Fontane · 1819–1898
15 Zeilen in 3 Strophen · zuerst gedruckt 1905
(Wie man sich früher ihn dachte.)
Ein Dichter, ein echter, der Lyrik betreibt,Mit einer Köchin ist er beweibt,Seine Kinder sind schmuddlig und unerzogen,Kommt der Miethszettelmann so wird tüchtig gelogen,Gelogen, gemogelt, wird überhaupt viel,„Fabulieren“ ist ja Zweck und Ziel.
Und ist er gekämmt und gewaschen zu Zeiten,So schafft das nur Verlegenheiten,Und ist er gar ohne Wechsel und SchuldenUnd empfängt er pro Zeile ’nen halben Gulden,Oder pendeln ihm Orden am Frack hin und her,So ist er gar kein Dichter mehr,Eines echten Dichters eigenste WeltIst der Himmel und – ein Zigeunerzelt.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Gedichte, Seite 53-54, 10. Auflage, J. G. Cotta’sche Buchhandlung Nachfolger, Stuttgart und Berlin, 1905
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Der echte Dichter“, Fassung 1.661.109 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Theodor Fontane starb 1898; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1968 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118534262 der Deutschen Nationalbibliothek.
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