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Versbuch

Mein kleiner Freund

Rudolf Lavant · 18441915

21 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 1914

Ei, grüß dich Gott, du kleiner schlauer Wicht ―Ich habe dich ja lange nicht gesehen!Was aber machst du heut für ein Gesicht?Ich sage dir, das wird dir niemals stehen.

Er sah mich an, dann blickt er mürrisch fortUnd blieb bekümmert, traurig und beklommen:„In keinem Brief schreibt Vater uns ein Wort,Daß er zu Weihnacht werde wiederkommen.“

Ich habe tröstlich von dem lieben FestUnd seinem Lichterbaum zu ihm gesprochen,Doch blieb von seinem Gram ein bittrer RestUnd leidenschaftlich ist er losgebrochen:

„An Weihnacht und Bescherung denk ich kaum,Von Mutter mag ich und von niemand Gaben;Ich brauche diesmal keinen Lichterbaum ―Nur meinen Vater will ich wieder haben!“

Und als er so versonnen vor mir stand,Da war es mir beinah, als sollt ich weinen,Und unwillkürlich legte meine HandIch auf den blonden Lockenkopf des Kleinen.R.L.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Der Wahre Jacob, J. H. W. Dietz, Stuttgart, 1914
Digitalisat
de.wikisource.org — „Mein kleiner Freund“, Fassung 3.440.240 · Bearbeitungsstand „korrigiert“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Rudolf Lavant starb 1915; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1985 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 10218299X der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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