Zum Inhalt springen
Versbuch

Ewas von Sedangfeste

Rudolf Lavant · 18441915

41 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 6. September 1902

Un wärn se ooch in West, Sied, Ost un NordenDer Sedangfeier iewerdrießg gewordenUn grähde ooch nach diesen Dag gee Hahn,Wenn frieh de Leide gleddern außen Gahn,Un labden nur noch Ginder un SoldadenSich an den fedden, bahdriodschen Braden,Un wärn mir Leibzger ooch der letzde Rest —Mir feiern schdandhafd unser Sedangfest!

Un wennse ooch in ihren Breisch-BerlinDas Sedangfest ins Lächerliche ziehnUn wenn se ooch mid ihren Fahn un FlachenSich jedes Jahr noch edwas rarer machen,Un wennse noch so siffisand erglärn,Daß das veraldede Geschichden wärn,So hammer ähm als schwarze FräckeschwenzlerEwas vor eich voraus, ihr Rehsedenzler!

Mir holn uns ähm in nein ZendraldeaderAn diesen Ahmd än bahdriodschen Gader,Un wackeld an der Decke ooch der SchduckVon unsrer Hurras urgewald'gen Druck —Es schdreckd der scheene Dod dorch so än GlumbenNur feege indernazjenahle Lumben,Und wer for so än Dod sich färchden gann,Der is gee echder deidscher Biedermann.

Und wenn de beese Weld ooch driewer lachb,De „Hochgefiehle", die hamm mir gebachd.Von ihnen wärn mer wanken nich noch weechenUn geene Schdadt gann uns das Wasser reechen.Ihr fiehld in Schdillen 's Gleiche sicherlich,Uns Leibzgern awwer, uns geniegd das nich.Freid eich nich heemlich eires scheenen Veestes —'raus mit der Zicke uffen Deichdamm!" heeßd es.

Das is der Grund zu unsern greeßden Schdolse —Mir sein geschnitzd aus bahdriodschen Holse!Un wenn de Gläser mer — mit Dressen — schwingUn froh ä Lied von Middelbache sing,Denn drag mer hoch als Leipz'ger unsern GobbUn blatzde von der Weste uns ä Gnobb;Denn laden schdols de ganse Weld mer ein:„Da sehd ämal, was mir fer Gerle sein!"Fritzchen Mrweessesnich.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
off, Leipziger Volkszeitung, Leipzig, 6. September 1902
Digitalisat
de.wikisource.org — „Ewas von Sedangfeste“, Fassung 3.650.234 · Bearbeitungsstand „korrigiert“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Rudolf Lavant starb 1915; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1985 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 10218299X der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

Mehr von Rudolf Lavant

Alle Gedichte von Rudolf Lavant ansehen

Gedichte aus dieser Epoche: Naturalismus

Die Epoche ist die übliche literaturgeschichtliche Einordnung des AUTORS, nicht des einzelnen Gedichts. Ein spätes und ein frühes Werk desselben Verfassers stehen deshalb hier zusammen. Bei einigen Autoren ist die Einordnung geteilt; das steht dann auf der Epochenseite.