Venus Madonna
Richard Dehmel · 1863–1920
14 Zeilen in 4 Strophen · zuerst gedruckt 1893
Aus Mannesadel wächst des Weibes Tugend;er träumt ein Ziel, sie soll es ihm gebären.Des Griechen Schönheitsinbrunst sah die Sphärenbeherrscht von Aphroditens Reiz und Jugend;
dem Christen aber ward die Reinheit Wesen,selbst noch die Mutter will er sich verklärenund beugt sich vor Marias Hochaltären,die keusch des Sohns, des keuscheren, genesen.
Wann kommt die Zeit, daß Männer freier denkenund ihre eigne Welt von Gottessöhnenhell mit dem Huldbild ihrer Freiheit krönen,
bis Alle Allen die Erlösung schenken,die Wir uns schenkten, meine Magd und Sonne,Du keusche Venus, reizende Madonne!
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Aber die Liebe, 1. Auflage, Dr. E. Albert & Co. Separat-Conto, München, 1893
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Venus Madonna“, Fassung 492.038 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Richard Dehmel starb 1920; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1990 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118679236 der Deutschen Nationalbibliothek.
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