Vier Worte
Rudolf Lavant · 1844–1915
32 Zeilen in 4 Strophen · zuerst gedruckt 1965
Der du als Proletar geboren –Wenn du geschnitzt aus echtem Holz,So geht dir nimmermehr verlorenDer Seele selbstbewußter Stolz,Denn mag dir noch so vieles mangeln,Stolz darfst du sein, solang du strebst,Da eine Welt aus ihren AngelnDu mit den breiten Schultern hebst.
Der du als Proletar geboren -Bewahre dir im EinerleiDes Tags den Haß, den du geschworen,Den Haß für jede Tyrannei.Die Liebeslitanei der Pfaffen,Sie trocknet keiner Träne Naß,Und Wandel kann und Sühne schaffenNur ein gesunder, tiefer Haß.
Der du als Proletar geboren –Füllt deine Adern warmes Blut,So lacht trotz Wällen und trotz TorenDer Vesten all dein frischer Mut.Er muß auf deiner Stirne sitzen,Wenn du kein untertän’ger Knecht;Er muß aus deinen Augen blitzen,So lang gebeugt das ew’ge Recht.
Der du als Proletar geboren –Erhalte dir, von Not umringt,Den Glauben, den du dir erkoren,Den Glauben, der die Welt bezwingt!Er wird dein treuer Schirmer werdenIn dem entbrannten Riesenstreit;Durch ihn errichtest du auf ErdenDie Herrschaft der Gerechtigkeit!
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Rudolf Lavant Gedichte, 3. Auflage, Akademie Verlag, Berlin, 1965
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Vier Worte“, Fassung 3.492.480 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Rudolf Lavant starb 1915; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1985 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 10218299X der Deutschen Nationalbibliothek.
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