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Versbuch

Venus Religio

Richard Dehmel · 18631920

30 Zeilen in 6 Strophen · zuerst gedruckt 1893

Charfreitagsruhe. Fühlst du’s auch:dies bange Grün und diesen Hauch,der drüber träumt?Und fühlst du’s, wie der Fliederstrauchvon Knospen perlt und überschäumt?

Und sehnen deine Brüste sichdem Auferstehungsmorgen zu,wie’s Magdalenen innerlichnicht ließ in Ruh,bis sie zum offnen Grabe schlich?

Denn übermorgen graut der Tagins Frühlingsfeld,da unterwarf sich Der die Welt,den einst dein Volk dafür gequält,daß eine Sehnsucht in ihm lag.

Viel Glocken läuten zu mir her;so dumpf und sehr! die Luft so schwer!wem läuten sie?Das waren Deine Glocken nieund sind nicht Meine Glocken mehr.

Im Flieder hängt ein altes Laub;du willst nun mein sein ganz und gar.Noch steht der Hain wie blind und taub;ist dir auch klar,daß unsre Kindheit Feindschaft war?!

Mir ist, daß meine Seele dichgesucht seit ewig ohne Ruh;fühlst Du’s wie Ich?Und sehnen deine Brüste sichdem neuen Ostermorgen zu? –

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Aber die Liebe, 1. Auflage, Dr. E. Albert & Co. Separat-Conto, München, 1893
Digitalisat
de.wikisource.org — „Venus Religio“, Fassung 1.227.743 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Richard Dehmel starb 1920; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1990 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118679236 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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