Ein Ewiger
Richard Dehmel · 1863–1920
37 Zeilen in 2 Strophen · zuerst gedruckt 1893
Dem Gaste Deutschlands.
Ich lag in einem dunklen Taxushainund hatte Furcht . . .Im Schatten vor mir saß ein Mann,der war wie eine großenebelvolle Höhle,in der ein riesenhafter Dachs der Urzeitneue Welten träumte;nur ab und zuschob er seine schweren Wühlerhändedurch das Gitter,und mit grauen,grausam traurigen Augengriff er sich ein Menschenhirn zum Fraß.Und über ihn, im Hintergrund der Höhle,mit unendlich weichem,kleinem stolzen Munde,in einen grünen Sack gewickelt,lag eine schöne geistesirre Frau gekauert,die weinte über den traurigen Dachs . . .Da hob der Manndie starre Gottesstirne zu mir her,darüber ihm die Haareseidenfein und blondin langen wirren Wellen lagen,als ob er eben aufgehört zu fliegen;und seine scheuen Frauenlippen zucktenIch aber sah hinauf,wo durch den dunklen Taxuswaldder kalte blaue Himmel straalte,klar, weit, hoch,und sah die Sonne um das Höhlengitter blitzen,und eine Freude wie im Winterverbrannte meine Furcht zu Funken,die sprühten einen Namen in das Dunkel,riesenhaft:STRINDBERG . . .
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Aber die Liebe, 1. Auflage, Dr. E. Albert & Co. Separat-Conto, München, 1893
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Ein Ewiger“, Fassung 3.648.712 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Richard Dehmel starb 1920; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1990 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118679236 der Deutschen Nationalbibliothek.
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