Der Brand
Richard Dehmel · 1863–1920
25 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 1893
Nur Zufall … Bleiern lag Berlinim Abendlichte Dach an Dach;trüb sah sie in das Feuer,das drüben aus dem Giebel brach.Die Flammen zuckten.
Im Rahmen meines Fensters,so stand sie schwarz und stumm vor mir;und im Nebenzimmer spielteeine blasse Frau Clavier.Drüben wühlte die Glut.
Die blasse Frau war meine,und Diese stand so nah und hold;flimmernd säumte der rote Scheindie lieben Locken mit dunklem Goldund Funkengestiebe.
Es zog mich hoch: ich mußte,ich wollte sie an mich ziehn.Eine große trübe Wolke Rauchkroch über ganz Berlin;die Flammen erstickten.
Ich stand mit scheuen Händen,das Spiel dort klang so seelenklar;und oben über der Wolke glommund zitterte so wunderbarein blasser Stern …
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Aber die Liebe, 1. Auflage, Dr. E. Albert & Co. Separat-Conto, München, 1893
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Der Brand“, Fassung 2.864.867 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Richard Dehmel starb 1920; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1990 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118679236 der Deutschen Nationalbibliothek.
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