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Versbuch

Der geduldige Dichter

Richard Dehmel · 18631920

17 Zeilen in 3 Strophen · zuerst gedruckt 1913

IDer Dichter steht am Herd und schürtund wartet, daß sein Volk sich rührt.Das Holz liegt da, der Funken auch;wann springt die Flamme aus dem Rauch?

IIDas Publikum hat gezischt und geklatscht,die Kritiker haben gequietscht und gequatscht.Der Dichter lächelt: Das verschallt,rings rauscht mein immergrüner Wald.

IIIWas soll mir euer Lorbeer, Freunde;an jedem Blatt zupfen hundert Feinde.Bringt Blumen, edle Früchte, Wein:die Kunst will sich des Lebens freun.Den Lorbeer legt mir aufs Totenkissen;da wird er nicht mehr heruntergerissen.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Schöne wilde Welt S. 58, S. Fischer Verlag, Berlin, 1913
Digitalisat
de.wikisource.org — „Der geduldige Dichter“, Fassung 3.087.985 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Richard Dehmel starb 1920; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1990 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118679236 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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