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Versbuch

Letzter Abend

Rainer Maria Rilke · 18751926

15 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 1907

(AUS DEM BESITZE FRAU NONNAS)

Und Nacht und fernes Fahren; denn der Traindes ganzen Heeres zog am Park vorüber.Er aber hob den Blick vom Clavecinund spielte noch und sah zu ihr hinüber

beinah wie man in einen Spiegel schaut:so sehr erfüllt von seinen jungen Zügenund wissend wie sie seine Trauer trügenschön und verführender bei jedem Laut.

Doch plötzlich war’s, als ob sich das verwische:sie stand wie mühsam in der Fensternischeund hielt des Herzens drängendes Geklopf.

Sein Spiel gab nach. Von draußen wehte Frische.Und seltsam fremd stand auf dem Spiegeltischeder schwarze Tschako mit dem Totenkopf.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Neue Gedichte, S. 60, 1. Auflage, Insel-Verlag, Leipzig, 1907
Digitalisat
de.wikisource.org — „Letzter Abend“, Fassung 3.780.171 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Rainer Maria Rilke starb 1926; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1996 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601024 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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