Zum Inhalt springen
Versbuch

Leda

Rainer Maria Rilke · 18751926

14 Zeilen in 4 Strophen · zuerst gedruckt 1918

Als ihn der Gott in seiner Not betrat,erschrak er fast, den Schwan so schön zu finden;er ließ sich ganz verwirrt in ihm verschwinden.Schon aber trug ihn sein Betrug zur Tat,

bevor er noch des unerprobten SeinsGefühle prüfte. Und die Aufgetaneerkannte schon den Kommenden im Schwaneund wußte schon: er bat um eins,

das sie, verwirrt in ihrem Widerstand,nicht mehr verbergen konnte. Er kam nieder,und halsend durch die immer schwächre Hand

ließ sich der Gott in die Geliebte los.Dann erst empfand er glücklich sein Gefiederund wurde wirklich Schwan in ihrem Schoß.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Der neuen Gedichte anderer Teil, S. 3, Insel-Verlag, Leipzig, 1918
Digitalisat
de.wikisource.org — „Leda“, Fassung 1.725.991 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Rainer Maria Rilke starb 1926; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1996 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601024 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

Mehr von Rainer Maria Rilke

Alle Gedichte von Rainer Maria Rilke ansehen

Gedichte aus dieser Epoche: Moderne und Expressionismus

Die Epoche ist die übliche literaturgeschichtliche Einordnung des AUTORS, nicht des einzelnen Gedichts. Ein spätes und ein frühes Werk desselben Verfassers stehen deshalb hier zusammen. Bei einigen Autoren ist die Einordnung geteilt; das steht dann auf der Epochenseite.