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Versbuch

Die blauen Füße

Paul Haller · 18821920

24 Zeilen in 6 Strophen · zuerst gedruckt 1922

Feucht Geriesel, wie mit NadelnAuf den matten Wimpern prickelnd,Düster um Gestalten wickelndLastet Nebel tief herab.

Dieses Wandern ist kein Suchen,Ist nur Irrgang in Beklemmung,Aller Freude dumpfe Hemmung,Selbst des klaren Schmerzes Tod.

Hätt’ ich nie von SonnengipfelnÜber’s graue Meer gesungen,Meine Seele, müd gerungen,Wäre längst ihr eigen Grab.

Doch nun leuchtet ein Geheimnis,Und ich muß es mir erstürmen.Mag sich Wolk’ auf Wolke türmen:Droben wandeln blaue Füße,

Droben trägt auf SturmesschwingenÄtherluft die schweren Glieder;Meine Berge schimmern wieder,Ferne greift sich selig nah.

Dieses Wandern, welch beglückendRaumergreifen und Behalten!Reigen klingender GestaltenTaumelt durch die Sonnenflur.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Gedichte, S. 84, H. R. Sauerländer & Co., Aarau, 1922
Digitalisat
de.wikisource.org — „Die blauen Füße“, Fassung 3.487.165 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Paul Haller starb 1920; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1990 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 119041952 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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