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Versbuch

Mittags

Paul Boldt · 18851921

20 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 1914

Jetzt ruht der Tag am Himmel wie ein Krake,Des blasses Maul die Wälder überschwemmt.Laubbäume zittern in dem Sonnenhemd,Als ob der Park von hellen Flammen blake.

Die schwere Mühle rudert strahlumwelltIn glattem Takt, daß sie den Abend hebe;Noch hält der leuchtende Kristall die Schwebe,Der Azur aus dem leichten Lichte fällt.

Orangewolken mit zitterndem Bauch,Die nachts den Flächenblitz gebären sollen.Libellen flügeln, Falter, und verschollenSummen die Bienen in dem Bohnenstrauch.

In deinen Adern glüht des HeliotropsArom, gekühlt von süßerem Jasmin,Und durch die Nerven klingen Phantasien,Bizarre Phantasien Félicien Rops’.

Im Walde schlägt der Keiler durstgequältDie hellen Zähne in das Holz der Kiefer.Die tote Schonung raucht wie heißer Schiefer,In dem der Nacht erstickter Atem schwält.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Junge Pferde! Junge Pferde! S. 8, 1. Auflage, Kurt Wolff Verlag, Leipzig, 1914
Digitalisat
de.wikisource.org — „Mittags“, Fassung 1.103.832 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Paul Boldt starb 1921; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1991 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118661175 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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