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Versbuch

Meine Jüdin

Paul Boldt · 18851921

14 Zeilen in 4 Strophen · zuerst gedruckt 1914

Du junge Jüdin, braune Judith, köstlicheFrucht der Erkenntnis, weißer Blütenfall:Aus Kleidern steigst du nackt, ein All ins All,Mit deinen Brüsten, Mythenfrau, du östliche.

Steige vom Sockel, Venus, aus zerballterWäsche, Jungweib! Wie Morgensonne blitztDein Bauch — und in der Schenkel Schatten sitztWie Blüten saugend, fest, ein schwarzer Falter.

Und Schwarzes fällt aus den gelösten SchleifenIn den konkaven Nacken, wie Geruch.Und die zu großen, graden Zähne blecken,

Als ob sie schon in Männerküssen stäken.Der Blick hängt glänzend über dem Versuch,Die Lippen über das Gebiß zu streifen.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Junge Pferde! Junge Pferde! S. 34, 1. Auflage, Kurt Wolff Verlag, Leipzig, 1914
Digitalisat
de.wikisource.org — „Meine Jüdin“, Fassung 1.103.812 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Paul Boldt starb 1921; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1991 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118661175 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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