Alles ist ewig
Otto Ernst · 1862–1926
28 Zeilen in 7 Strophen · zuerst gedruckt 1907
In den morgenfrischen BäumenHing ein letzter Hauch der Nacht,Und die Blumen machten AugenWie ein Kind, wenn es erwacht –
Holder Schreck entriß mich plötzlichLächelnder Versunkenheit –:Eine Rose hat geduftetWie ein Lied aus Kinderzeit!
Eilends sucht’ ich: Welche war es? –Duft und Blüte weit und breit! –Doch nicht and'ren Duft vernahm ich;Aufgetan die Seele weit,
Ging ich atmend, dürstend, sehnendDurch des Gartens Herrlichkeit –Und ich hab’ sie nicht gefunden,Die mich rief aus ferner Zeit.
O, ich seh’ es, euer Lachen,Schnell und klug zum Spott bereit!Seid gewiß, in regen LüftenWeiß mein Herz von je Bescheid.
Aufgehoben bleibt im GanzenJedes Atems leises Wehn;Einst an einem großen MorgenWirst du’s lächelnd wiedersehn.
Eine Rose hat geduftetWie ein Klang aus Kinderzeit;Duft und Klingen, Heut’ und GesternWeben all’ an einem Kleid.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Siebzig Gedichte S. 70–71, 1. Auflage, L. Staackmann, Leipzig, 1907
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Alles ist ewig“, Fassung 1.623.339 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Otto Ernst starb 1926; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1996 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118682342 der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.