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Versbuch

Moses

Marie Eugenie Delle Grazie · 18641931

29 Zeilen in 2 Strophen · zuerst gedruckt 1892

(Von Michel Angelo.)

Noch flammt die Stirne dir von Sinai’s Wettern,Noch weht um dich Jehovah’s myst’scher Hauch –Da horch! metall’ner Becken gelles Schmettern –Da sieh! das gold’ne Kalb, den Opferrauch,Der schnöd gefall’nen Menschlein wüsten ReigenUm’s Thier – ach, um ihr ewiges Symbol!Zu ihnen wolltest du herniedersteigen,Begeistert weltentrückt – des Gottes voll?Für sie hast du die schlummerlosen NächteDurchträumt? Für sie dein Antlitz bleich gehärmt?Für diese Brut rangst du des Himmels MächteHernieder? Für dies Aas hast du geschwärmt?Ihm wolltest du Prophet sein und Erretter,Ihm Weisheit bringen, die von Gott entstammt –Ihm? – hörst du nicht der Becken Hohngeschmetter,Den Schrei der Bestie, brünstig, wahnentflammt?Und seine Kiefer knirschen – in die MähneDes Bartes wühlt sich die ergrimmte Hand,Die blutgeschwellte Ader wird zur SehneUnd Stein der Leib, den Wuth und Schmerz gebannt!Die mächt’ge Brust allein scheint auszuwogen,Und diese Brust, sie ringt nach einem Schrei –Ja, stoß ihn aus, Titan, den sie betrogen,Die Zwerge dort, auf daß er dich befrei’!Ein Sinai braus’ hernieder in GewitternUnd Gottes Tafeln – wirf sie unter sie!Denn würd’ger ist’s, ein göttlich Werk zersplittern,Als es beschmutzt, zertreten seh’n vom Vieh!

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Italische Vignetten, S. 46, Breitkopf und Härtel, Leipzig, 1892
Digitalisat
de.wikisource.org — „Moses“, Fassung 602.256 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Marie Eugenie Delle Grazie starb 1931; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2001 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118746278 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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