Prolog
Marie Eugenie Delle Grazie · 1864–1931
24 Zeilen · zuerst gedruckt 1892
Du steinern Buch, darin in mächt’gen ZügenDas hohe Lied der Weltgeschichte steht,Mit ihren Kämpfen, ihren schönsten LügenUnd ihrer Wahrheit herber Majestät;Du Marmorchronik, die noch im ZerfallenDer Macht und Schönheit stolze Sprache führt,Du herrlichste Ruine unter allen,Die je des Todes Flügelschlag berührt –O Roma, Ew’ge du, so lange leben,Erscheinen, Ringen und Versinken heißt –Wirst du dem kecken Sängermuth vergeben,Wenn er am Flore deiner Trauer reißt?Und dennoch! Wehen nicht die grünsten RankenGerad von deinen Mauern ernste Stadt?Die Schwermuth deiner traurigsten Gedanken,Umschmeicheln sie nicht prangend Blüth’ und Blatt?Clematis wallt in Prachtguirlanden nieder,Wo goldig einst des Cäsars Thron erglänzt,Um öde Tempel duftet süß der FliederUnd selbst das Colosseum ward bekränzt –O Rom, du steinern Buch voll WeltgedankenUnd Weltleid – stolze Marmorchronik du –Vignetten gleich nur soll mein Lied umrankenDie Schicksalshieroglyphen deiner Ruh’!
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Italische Vignetten, S. 3, Breitkopf und Härtel, Leipzig, 1892
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Prolog (Delle Grazie)“, Fassung 1.448.831 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Marie Eugenie Delle Grazie starb 1931; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2001 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118746278 der Deutschen Nationalbibliothek.
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