Ringsum zerfallene Reste
Marie Eugenie Delle Grazie · 1864–1931
29 Zeilen in 8 Strophen · zuerst gedruckt 1892
7.
Ringsum zerfallende Reste,Zerbröckelnd und morsch Gestein,Und drüber hangende Äste,Und fluthender Sonnenschein....
In Diocletian’s ThermenEin prächtiges Gotteshaus,Am Corso Hasten und Lärmen,Der Weltstadt erregt Gebraus!
Und melancholisches SchweigenAm Ufer des Tiberstrom’s –Gespenstisch wachsen und steigenAus ihm die Geschicke Rom’s:
Gigantisch winkt, aber traurig,Das Grab der Vergangenheit,Von seiner Zinne droht schaurigDer Engel im Schuppenkleid.
Und dort – Sankt Peter – der prächtigDas leuchtende Haupt erhebt –Die Gegenwart, die noch mächtigNach Schönheit und Täuschung strebt;
Dieweil die Zukunft schon düsterIn Lumpen die Stadt durchirrt –O Grauen, wenn ihr GeflüsterZum Schrei des Frohlockens wird!
Noch einmal, Rom, wirst du fallen,Wie einst das Kreuz dich gefällt –Die Wahrheit ruft ihr: „Weh’ Allen!“Dann über die ganze Welt....
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Italische Vignetten, S. 33, Breitkopf und Härtel, Leipzig, 1892
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Ringsum zerfallene Reste“, Fassung 589.690 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Marie Eugenie Delle Grazie starb 1931; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2001 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118746278 der Deutschen Nationalbibliothek.
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