Zum Inhalt springen
Versbuch

Rhythmisch bewegt

Marie Eugenie Delle Grazie · 18641931

43 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 1892

2.

Rhythmisch bewegtTönt hier vom Frohsinn des LebensWasser und Luft,RhythmischJagt und rollt durch die AdernMir das Blut in dithyrambischen Takten!

Licht und Meer,Wogen und Lüfte tanzenHier des Kreislauf’s lockendste Tarantella,Sich haschend und fliehend,Neckend und grollend,Aufschäumend nunIn stürmender Leidenschaft, nunBerathmend in süß-geschmeidiger Müde….

O Napoli,Stadt du, wie keine – gleich schön,Oh rasend nun das MeerSeine donnernden Rhythmen abzählt,An deinem zitternden Strand;Ob schwarzblauDie Wogen kreisen undWie Seegespenster riesige WassersäulenAufschnellen, in bacchantischen Wirbeln sichDem Ufer zudreh’n und silbernen Gischtes RosenNach deinen kichernden Schönen werfen –oderOb sonnentrunken der HimmelIn’s reglose Meer taucht,Um’s Haupt dirDas flirrende DiademDes Lichtes schlingt und dichIn Goldglanz badet, daß hellUnd klar die fernen Küsten herübergrüßen,Sorrento’s hangende Wälder undIm Sonnenduft, wie eine verhüllte Schöne,Geheimnisvoll aufleuchtend, das träumende Capri….

Still liegtDer lichbefruchtete Meeresschooß, und kräuseltIn blauer Ferne ein Lufthauch die Wasser auf,So guckt es wie ein schimmernd NajadenköpfchenZu dir herüber und staunt:„O bella Napoli, o suolo beato!“

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Italische Vignetten, S. 81-82, Breitkopf und Härtel, Leipzig, 1892
Digitalisat
de.wikisource.org — „Rhythmisch bewegt“, Fassung 311.694 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Marie Eugenie Delle Grazie starb 1931; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2001 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118746278 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

Mehr von Marie Eugenie Delle Grazie

Alle Gedichte von Marie Eugenie Delle Grazie ansehen

Gedichte aus dieser Epoche: Naturalismus

Die Epoche ist die übliche literaturgeschichtliche Einordnung des AUTORS, nicht des einzelnen Gedichts. Ein spätes und ein frühes Werk desselben Verfassers stehen deshalb hier zusammen. Bei einigen Autoren ist die Einordnung geteilt; das steht dann auf der Epochenseite.