Fariglioni
Marie Eugenie Delle Grazie · 1864–1931
33 Zeilen in 4 Strophen · zuerst gedruckt 1892
Wo schroff zum Meerhinabstürzt der Klippen zackigste, im ÄtherDas mövenumkreiste Haupt und in der FluthDie grüne, muschelumklammerte Sohle badend –Da sitz' ich stundenlang und träum'Und sinn' hinaus in dämmernde Fernen,Bis mählich am HorizontDes Sonnenwagens leuchtende PurpurfurchenVerglimmen, und von den Höh'n,Ein sammt'ner Falter, der AbendHerniedersinkt mit thauschwerem Flügelpaar. –
Das glüh'nde HauptAn die Felsbrust gelehnt, den BlickIn's Weite verloren, lausch' ich hinaus ....
Es nah'n mir dannIm Schwebe-Rhythmus der Wogen,Schaukelnd und gaukelndUnd lockend wie sie,Die Träume all', die einst meine Seele befeuert.
Du räthselhafte Seele,Warum nicht hieltst du sie?Was zwang dich,Sie preiszugeben, die gold'nen,Die glückeslüstern du schonAm Fittich erfaßt?War's Stolz?War's Trotz? Oder wär'sVon Ewigkeit herDes Dichters Verhängnis: einsam,Und nur vom Adlerfittich des Leid'sDie Stirn umweht, zu hausenIm Ocean des Lebens, wie dortIm kreisenden Wellenschooß die Fariglioni? –
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Italische Vignetten, S. 114-115, Breitkopf und Härtel, Leipzig, 1892
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Fariglioni“, Fassung 584.001 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Marie Eugenie Delle Grazie starb 1931; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2001 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118746278 der Deutschen Nationalbibliothek.
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