Horch! Geschrei und wüstes Toben
Marie Eugenie Delle Grazie · 1864–1931
33 Zeilen in 9 Strophen · zuerst gedruckt 1892
3.
Horch! Geschrei und wüstes Toben –Weitauf fliegt die Schenkenthür,Faust und Knüttel hoch erhobenWirbelt’s zornentbrannt herfür:
Eseltreiber, StraßenfegerUnd zum Schluß der schmutz’ge Wirth,Während sich ein ZeitungsträgerNoch bei Zeiten klug salvirt.
Wuthgeheul und Flüche schallen,Flammen sprüh’n aus jedem Blick,Hageldicht die Püffe fallen –Ach, die leid’ge Politik!
Da – ein hell’ Gekreisch – die Weiber!Rasend fliegen sie heran:Straßenfeger, Eseltreiber,Jeder ach, ist – Ehemann!
An der Tapfern Schöße klammernDie Verzweifelten sich fest,Und sie keifen, und sie jammern,Und ihr Weinen thut den Rest!
Würdevoll auf hag’rer MähreSprengt nun auch vom Corso herKeuchend der Carabiniere –Aber sieh, der Platz ist leer!
Nur zertret’ne CalabreserTrauern stumm auf weiter Flur,Prügel und zerschlag’ne GläserKünden ihm des Schlachtfeld’s Spur;
Weh’nde Schürzen, bunte TücherWeisen ihm der Sieger Bahn,Und er ist des Friedens sicher,Denn auch er war – Ehemann!
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Italische Vignetten, S. 27-28, Breitkopf und Härtel, Leipzig, 1892
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Horch! Geschrei und wüstes Toben“, Fassung 3.132.545 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Marie Eugenie Delle Grazie starb 1931; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2001 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118746278 der Deutschen Nationalbibliothek.
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