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Versbuch

Arco naturale

Marie Eugenie Delle Grazie · 18641931

45 Zeilen in 4 Strophen · zuerst gedruckt 1892

Von trotz’gen TitanenhändenIn die Felswand gerissen, ringsumWie von versteinten UngeheuernBewacht von phantastischen Klippen, öffnestO Bogen, du mir deine Wunderschau,Die herzberückend-augenblendend-schöne!

Wie kreisender SchwindelErfaßt’s mein Hirn:Denn über mir wölbt flirrendDer Äther sich, und unter mir strahltSein Abbild herauf: das Meer,Zusammenfließend in eine UnendlichkeitMit ihm, der welt-umspannenden Götterheimat!

Dionysischer RauschDurchtobt dir die Seele –Lockt die Höhe?Verführt die Tiefe?Du weißt es nicht – doch herniederzieht’sDen Willen dir in trunk’nem SelbstvergessenUnd Tod wär’ hier – Genuß!

Die Himmlischen aber,Die mit Sonnenfesseln des Aug’sDen Menschen geknüpft an’s Dasein,Und ihm das Leben begrenztDurch Schranken der Schönheit, damitErhabenheit ihm nichtDie Seele verwirre undIn’s Bodenlose reiße den Schwindelnden,Sie zauberten mitleidigIhm vor die Augen hierDen Reichthum seines Stern’sUnd goldne Punkte, daraufSein Blick ruh’n mag und aufathmenDer trunk’nen Sinne bacchische Raserei.Sie zeigen ihm,Tief in die Wasser tauchend,Und fein umrissen vom Licht,Das winkende Kap der Minerva,DarüberhinAmalfi’s schimmernde Küstenberge,Die höh’numgrünte Bucht von Salerno,Und vor ihm, zierlichen Flug’sMit seid’nem Fittich die Wasser streifend, undGeschäftig aufkreischend, ein fröhlich BildDes Lebens, die schlanke, beutesuchende Möve....

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Italische Vignetten, S. 117–118, Breitkopf und Härtel, Leipzig, 1892
Digitalisat
de.wikisource.org — „Arco naturale“, Fassung 2.801.750 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Marie Eugenie Delle Grazie starb 1931; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2001 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118746278 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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