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Versbuch

Apoll vom Belvedere

Marie Eugenie Delle Grazie · 18641931

28 Zeilen · zuerst gedruckt 1892

Wie ich im Schaffenstaumel dich empfangen,Wie dich mein Herz ersehnt, mein Geist genoß,Sieht nun das Aug’ dein Bild in Marmor prangen:So hehr, so menschlich-schön als göttlich-groß!Wie Trotz seh’ ich’s um deine Nüstern fliegen,Noch bebt die Rechte, die den Pfeil entsandt –Er traf, der goldig-klingende! Zu siegenIst dieses Aug’ gewohnt und diese Hand!Dein Herrscherblick – er flammt selbst aus dem SteineHervor und ach! ich kenn’ ihn, diesen Blick,Seit, Stolzer, ich für immerdar die DeineGeknüpft an deinen Altar mein Geschick!So grausam lohte er mir stets entgegen,Wenn schwach und thöricht sich das Weib vergaß,Der Priesterin nur floß sein gold’ner Segen,Die weltentrückt zu deinen Füßen saß!Hinstarb in deinem Dienst mein letztes SehnenNach nied’rer Erdenlust – und schrie einmalDies Herz zu dir, entweiht von ird’schen Thränen –Wie göttlich lächeltest du seiner Qual!Nach deinen Siegen zählten meine Freuden,Was mich bedrückt, ward deiner Pfeile Raub,Ein Lindwurm-Tödter tratst du meine LeidenMit klingenden Kothurnen in den Staub!O leih’ mir, fern von niedrigem GeschickeUnd Weh’, auch fürder deine sel’ge Ruh’,Damit dies Aug’ dem Pfeil des Sieg’s nachblicke,So kühn, so stolz, so göttlich-frei wie du!

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Italische Vignetten, S. 44, Breitkopf und Härtel, Leipzig, 1892
Digitalisat
de.wikisource.org — „Apoll vom Belvedere“, Fassung 3.523.805 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Marie Eugenie Delle Grazie starb 1931; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2001 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118746278 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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