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Versbuch

Schöner Herbst

Kurt Tucholsky · 18901935

20 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 1919

Das ist ein sündhaft blauer Tag!Die Luft ist klar und kalt und windig,weiß Gott: ein Vormittag, so find ich,wie man ihn oft erleben mag.

Das ist ein sündhaft blauer Tag!Jetzt schlägt das Meer mit voller Wellegewiß an eben diese Stelle,wo dunnemals der Kurgast lag.

Ich hocke in der großen Stadt:und siehe, durchs Mansardenfensterbedräuen mich die Luftgespenster …Und ich bin müde, satt und matt.

Dumpf stöhnend lieg ich auf dem Bett.Am Strand wär es im Herbst viel schöner …Ein Stimmungsbild, zwei Fölljetönerund eine alte Operett!

Wenn ich nun aber nicht mehr mag!Schon kratzt die Feder auf dem Bogen.das Geld hat manches schon verbogen …Das ist ein sündhaft blauer Tag!

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Fromme Gesänge, S. 87, Felix Lehmann, Charlottenburg, 1919
Digitalisat
de.wikisource.org — „Schöner Herbst“, Fassung 3.790.834 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Kurt Tucholsky starb 1935; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2005 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 11862444X der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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