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Versbuch

Schwere Zeit

Kurt Tucholsky · 18901935

17 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 1919

Die Jungfrau in der Nebenstuben –ich frage mich, was tut sie nur?Ich hör die Stimme eines Buben –So spät am Abend? Um elf Uhr?

Wie er mutiert! Und ihre Stimmenverklingen sacht – sie murmeln leis.Bin ich der Zeuge einer schlimmenVerbrechertat? Wer weiß! wer weiß!

Sie spricht ihm gütig zu. Belehrendertönt ihr lieblicher Sopran.Er lacht: „Jawohl!“ Dies ist erschwerend!Was wird dem Knaben nur getan?

Sind das nicht halberstickte Küsse?

Ich frag sie später, was sie treibt …Sie sagt: „Die geistigen Genüsse,sie bringen nichts als Kümmernisse.Es ist das einzige, was mir bleibt!“

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Fromme Gesänge, S. 100, Felix Lehmann, Charlottenburg, 1919
Digitalisat
de.wikisource.org — „Schwere Zeit“, Fassung 3.779.863 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Kurt Tucholsky starb 1935; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2005 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 11862444X der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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