Schwarzrotgold
Kurt Tucholsky · 1890–1935
37 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 25. April 1919
Von Theobald Tiger
Das war damals, als Freiligrathsang in die deutschen Ohren:Was auch ein König für euch tat,Toren bleibt ihr, Toren!Sitzt so getreu in der Obrigkeit Hut,artig, ein Kind bei der Amme –Schwarz ist der Stahl,rot ist das Blut.Golden flackert die Flamme!
Das ist heute – und kein Fanalleuchtet in Dunkelheiten.Rostig der alte Burschenschaftsstahl,weltfern die alten Zeiten.Nirgends ein Fünckchen heiße Glut,daß euch die Hölle verdamme!Schwarz ist der Stahl,rot ist das Blut.Golden flackert die Flamme!
Hüben dicker Philister Bauch,ganz wie damals, derselbe –drüben kein Feuer, nur beißender Rauch:„Schmeißt den Kerl in die Elbe!“Was der eine, der andre tut,wächst auf verkümmertem Stamme –Schwarz ist der Stahl,rot ist das Blut.Golden flackert die Flamme!
Führt ihr im Banner das Portemonnaie?Macht keine Revolutionen!Deutsches Elend und deutsches Wehkamen nicht nur von den Thronen.Blickt zu den Sternen! Zeigt endlich Mut!Auf aus dem alten Schlamme!Schwarz ist der Stahl,rot ist das Blut.Golden flackert die Flamme!
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Ulk Jahrgang 48. Nummer 17. Seite 58, Rudolf Mosse, Berlin, 25. April 1919
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Schwarzrotgold“, Fassung 1.011.910 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Kurt Tucholsky starb 1935; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2005 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 11862444X der Deutschen Nationalbibliothek.
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