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Versbuch

Sonnenthal

Karl Kraus · 18741936

17 Zeilen · zuerst gedruckt 1920

Faßt Mut zum Schmerz, daß seine Thräne nicht mehr fließtund dieser große Chor der Jugendbühne stumm ist:Die Glocke, die Charlotte Wolter hieß;der Hammer, der mit Lewinskys Rede das Gewissen schlug;und einer Brandung gleich die Stimme des Zyklopen Gabillon;Zerlinens Flüstern; und Mitterwurzers Wildstroms Gurgellaune;eine Tanne im Wintersturm jedoch war Baumeisters Ruf;und schwebend, eine Lerche, stieg des jungen Hartmann Ton,vermählt dem warmen Entemnutterlaut Helenens;und Hagel, der durch schwülen Sommer prasselt, Krastels Sang;und edlen Herbstes Röcheln Roberts Stimme;und Sonnenthals: die große Orgel, die das harte Leben löst.Und all der Sänger Stimme und Manier,die noch verstimmt, von solchem Geiste war,daß sie bewahrt sei gegen alles Gleichmaß,womit die Narren der Szene und der Zeitdie lauten Schellen schlagen.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Ausgewählte Gedichte, S. 37, Verlag der Schriften von Karl Kraus (Kurt Wolff), München, 1920
Digitalisat
de.wikisource.org — „Sonnenthal (Kraus)“, Fassung 1.104.023 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Karl Kraus starb 1936; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2006 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118566288 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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