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Versbuch

Suchen und Finden

Karl Kraus · 18741936

14 Zeilen in 4 Strophen · zuerst gedruckt 1920

Die Dinge sind schon an der Fläche tief,du mußt sie nur mit Ehrfurcht sagen.Willst du dich aber weiter wagen,so weist sich’s oft, daß dich kein Rätsel rief.

Beneide nicht, die allen Sinn benagenund den Gedanken, der da schlief,eh’ er durch ihre Tageszeiten lief,gefühllos weckten durch ihr lautes Fragen.

Sieh das Gewohnte stets zum ersten Mal.Dann hat sich alles Suchen dir gelohnt,das Vorgefundne fügt sich deiner Wahl.

Bleibt nur, was ruht, von deinem Drang verschont,so wird dir das Entlegene banal,und neu das Nahe und wie ungewohnt!

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Ausgewählte Gedichte, S. 51, Verlag der Schriften von Karl Kraus (Kurt Wolff), München, 1920
Digitalisat
de.wikisource.org — „Suchen und Finden (Kraus)“, Fassung 1.104.050 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Karl Kraus starb 1936; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2006 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118566288 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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