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Versbuch

An Herrn Hofrath von Greiner

Johann Baptist von Alxinger · 17551797

71 Zeilen in 17 Strophen · zuerst gedruckt 1780

Ein Liedchen würdigst du dich mirZum Angebinde darzubringen,Ein Liedchen will ich dirEntgegensingen,So gut ich kan:Denn wohl weißt du, du edler Mann!Ein Schurke thut mehr, als er kan.

Dein Biederherz, so sanft, so groß,So gut, so deutsch, das absichtslosFür Menschheit und für VaterlandDahin sich giebt, sey nie verkannt!

Lies immer dein verdientes GlückIn unsrer Fürsten Gnadenblick:Es strahl’ auf dich von ihrem ThronDer Ehre viel, und reicher Lohn.

Doch bist du ja nicht Bürger nur,Bist Vater auch; Mama NaturGab freundlich dir zwey Kinderchen,Gar brav, und lieblich anzusehn.

Dein Lottchen, dessen scharfer WitzSchon jetzt sich zeigt, und wie ein BlitzDurch jede schöne Kenntniß fährt,Sey dein und ihrer Mutter werth!

Hohn, Tadelsucht, KoketterieEntweih’ des Mädchens Seele nie;Ein Edler fühl’ einst GötterlustAn ihrer liebewarmen Brust!

Dein Herzensjunge XavierGeh’ bald voll Jünglingsstolz einher,Hoch, wie man einen Hirschen mahltIn seinem eignen Eichenwald!

Auf Bäum’ und Felsen klimm’ er n’auf,Durchschwimme Seen, sey nicht im Lauf,Im Waffenspiel und Ringen faul,Und tummle mächtig seinen Gaul.

Stets bleib’ er von EmpfindeleyUnd jeder Modenarrheit frey,Sey nie der Thierbegierden Sklav,Empfinde stark, und handle brav.

Dann siehst du froh in deinem SinnNach diesen wackren Kindern hin,Kannst nie die Edle segnen gnug,Die sie in ihrem Schoosse trug;

Die sie mit ihren Brüsten sog,Dir und der Tugend auferzog;Für dich, und sie, bey Tag und NachtMit endeloser Sorge wacht,

Die Weisheit kennt, und übt, und ehrt,Mit Freyheit handelt, MenschenwerthNach dem, was menschenwürdig ist,Und nicht nach Aussenwerken mißt,

All’ deinen Kummer redlich theilt,Des Abends dir entgegeneilt,Und dir in unsrem trauten KreisDie Stunden wegzuscherzen weiß.

Drum lebt, die ihr es würdig seyd,In engelgleicher Einigkeit,Von Glück begleitet und von Ruhm,Ein ganzes halbes Sekulum.

Und habt ihr dann das Leben satt,Wies traun! der Edle meistens hat;So rück euch sanft zugleich der TodIns Himmelreich zu eurem Gott,

Und der, zu dem der Tod euch rückt,Der segnend auf euch niederblickt,Der Geber mache, würdig Paar,Buchstäblich meine Wünsche wahr!

Und wenn es eine Pflicht doch giebt,Zu lieben, wer uns ehrt und liebt:So ist, verzeiht! ich schmeichle nicht —Mich warm zu lieben eure Pflicht.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Gedichte S. 16-20, 1. Auflage, Johann Jacob Gebauer, Halle, 1780
Digitalisat
de.wikisource.org — „An Herrn Hofrath von Greiner“, Fassung 2.958.204 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Johann Baptist von Alxinger starb 1797; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1867 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118648594 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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