Abendlandschaft von der Bellevüe am Genfersee, vor dem Gervaisthore
Friederike Brun · 1765–1835
36 Zeilen in 9 Strophen · zuerst gedruckt 1795
Spiegelnd ruhtHier die Flut.Kreiselnd seh’ ich Fischlein blinken,Aus dem Busche steigen Finken.
Still im ThauRuht die Au.Süsse Dämmrung hüllt die Wipfel,Deckt der runden Hügel Gipfel.
VeilchenduftFüllt die Luft;Grünlich knospen junge Bäume,Und der Hain treibt braune Keime.
Purpurn blinkt,Traulich sinktDort am Jura hin die Sonne,Und im Thal lacht Abendwonne.
Hoch verschwebt,Gold umbebt,Ragt weit in des Aethers Grenzen,Weisser Berg! dein reines Glänzen.
Nächtlich schwer,Um mich her,Stehn Savoiens Felsenmauern,Ueberwallt mit Nebelsschauern.
Weit und breit,Blaß verstreut,Starren Zacken, Häupter, Trümmer;Nur den Dom kränzt Rosenschimmer.
Stets zurückKehrt mein Blick.Süsser Anblick! O ich seheTief im See die Strahlenhöhe.
Ruhig walltMild umstraltJezt der Mond am Azurhimmel;Um ihn her das Sterngewimmel.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Gedichte, S. 14–17, Orell, Gessner, Füssli & Comp., Zürich, 1795
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Abendlandschaft von der Bellevüe am Genfersee, vor dem Gervaisthore“, Fassung 1.097.604 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Friederike Brun starb 1835; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1905 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118516051 der Deutschen Nationalbibliothek.
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