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Versbuch

Frühlingsanfang auf der Bank vorm Anhalter Bahnhof

Joachim Ringelnatz · 18831934

20 Zeilen · zuerst gedruckt 1924

Vierter Klasse wär’ es noch mehr billig.Aber da käme ich später an.Und dann ist die Stellung vielleicht schon vergeben,Und die Frau Bauratswitwe sagt dannWieder: Ich sei arbeitsunwillig.Und wovon soll ich dann am Freitag leben?Am liebsten möchte ich gar nicht fahren.Da könnten wir all das Fahrgeld sparen,Und lieber versaufen.Und da können wir noch die beiden Weinflaschen verkaufen.Da wird man wieder mal richtig vergnügt.Und hauen uns nachts auf die Bretter am Halleschen Tor,Wo manchmal der Bolzenmax liegt.Jetzt kommen schon die Krokusse vor,Da ist es schon nicht mehr so kalt.Und morgen werden wir sehn, wo wir bleiben.Da werden sie uns auseinandertreibenWie die Pferdeäppel auf’m Asphalt.Ob es wohl wahr ist, wenn man noch lebt – daß manSeine Knochen an die Akademie verkaufen kann?

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Kuttel-Daddeldu, S. 114, Kurt Wolff Verlag, München, 1924
Digitalisat
de.wikisource.org — „Frühlingsanfang auf der Bank vorm Anhalter Bahnhof“, Fassung 3.026.606 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Joachim Ringelnatz starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601121 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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