Gassenkreuzung
Joachim Ringelnatz · 1883–1934
18 Zeilen in 3 Strophen · zuerst gedruckt 1932
Was wohl Huren denken,Wenn zwei HochzeitswagenUm die Ecke schwenken?!Kannst du sie nicht fragen,Dann erfährst du's nie. — —
Wenn ein Mädchen, dieLadenschwelle scheuertUnd von hinten aussieht wieEine Maid von sechzehn Jahren,Und du fühlst dich Mann. Dann steuertDich frivole Phantasie;Laß dich nicht vom Auto überfahren!!
Wenn ein Straßenkehrer PferdemistLieblos von deinem Schatten fegt,Und du überlegst, ob er sich überlegt,Ob du irrsinnig bist —,Ach dann schenk ihm etwas, und viel mehr,Und freue dich sehr!
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Gedichte dreier Jahre Seite 14, 1. Auflage, Ernst Rowohlt Verlag, Berlin, 1932
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Gassenkreuzung“, Fassung 3.026.843 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Joachim Ringelnatz starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601121 der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.