Gedenken an Wedekind
Joachim Ringelnatz · 1883–1934
24 Zeilen in 8 Strophen · zuerst gedruckt 1929
(März 1928)
Wedekind war immer interessant,Ein Stoßhorn in die häßlich mittlere Welt.
Wahrscheinlich hat er mich nie gekannt.Ich bin ihm wohl zehnmal vorgestellt.Das letzte Mal hatten wir eine absurde,Mir unvergeßliche Stunde mitnand,Als ich zum Kriege gerufen wurdeNach dem Nordseestrand.
Und als ich zurückkehrte,War der VerehrteVerstorben.
Mehr bekämpft als umworben,Hat er doch trotzig gesiegt.Ehrliche und unehrliche FeindeHaben doch ihn nicht kleingekriegt.
In seiner treuen GemeindeWill ich mitgenannt sein.
Ich senke jetzt meine NaseZu einem stillen GlaseWein.
Apropos:Wein gibt sich anders als Bier. Und woIst in München die Wedekindstraße?
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Flugzeuggedanken, 1. Auflage, Ernst Rowohlt Verlag, Berlin, 1929
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Gedenken an Wedekind“, Fassung 3.779.833 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Joachim Ringelnatz starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601121 der Deutschen Nationalbibliothek.
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