Jene kleinsten ehrlichen Artisten
Joachim Ringelnatz · 1883–1934
20 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 1928
Jener kleinsten, ehrlichen ArtistenDenk ich, die kein Ruhm belohnt,Die ihr Dasein ärmlich, fleißig fristen,Und in denen nur die Zukunft wohnt.
In Programmen stehen sie bescheiden,Und das Publikum bleibt ihnen stumm.Dennoch geben sie ihr Bestes und beneidenGrößre nicht. Und wissen nicht, warum.
Grober Dünkel drückt sie in die Ecken.Ihre Grenze ist der Rampenschein.Aber nachts vor kleinen Mädchen reckenSie sich auf in Künstlerschwärmerein.
Die ihr bleiben sollt, wo wir begonnen,Mögt ihr ruhmlos sein und unbegabt,Doch euch tröstet: Uns ist viel zerronnen,Schönes, was ihr jetzt noch in euch habt.
Ehrlichkeit ist Kunst und derart selten,Daß es wenig Wichtigeres gibt.Euer Schicksal wird euch reich vergelten,Daß ihr euer Schicksal habt geliebt.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Allerdings, S. 129, 1. Auflage, Ernst Rowohlt Verlag, Berlin, 1928
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Jene kleinsten ehrlichen Artisten“, Fassung 3.026.811 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Joachim Ringelnatz starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601121 der Deutschen Nationalbibliothek.
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