Kassel (Die Karpfen in der Wilhelmstraße 15)
Joachim Ringelnatz · 1883–1934
20 Zeilen · zuerst gedruckt 1933
Man hat sie in den LadenIn ein intimes Bassin gesetzt.Dort dürfen sie baden.Äußerlich etwas ausgefranst, abgewetzt –Scheinen sie inwendigDoch recht lebendig.Sie murmeln Formeln wie die Zauberer,Als würde dadurch ihr Wasser sauberer.Sie kauen Mayonnaise stumm im RüsselUnd träumen sich gegen den Strich rasiert,Sodann geläutert, getötet, erwärmt und garniertAuf eine silberne Schüssel.Sie enden in Kommerzienräten,Senden die witzigste von ihren GrätenIn eine falsche Kehle.Und ich denke mir ihre SeeleWie eine Kellerassel,Die Kniebeuge übt. – – –Ja und sonst hat mich in KasselNichts weiter erregt oder betrübt.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- 103 Gedichte, S. 73–74, 1. Auflage, Ernst Rowohlt, Berlin, 1933
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Kassel (Die Karpfen in der Wilhelmstraße 15)“, Fassung 3.778.737 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Joachim Ringelnatz starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601121 der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.