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Versbuch

Madonnengesichter

Joachim Ringelnatz · 18831934

20 Zeilen in 4 Strophen · zuerst gedruckt 1929

Schwer zu ertragenIst Dummheit, wenn sie verschlagenIst oder sich überhebt.Aber im Grunde der Dummheit lebtDas wehrlos Naive.

Der Dummheit schöne TiefeIst kein Loch.Hat sie dochKeinen richtigen RandWie etwa Löcher in Strumpf, Flöte, Sand.

Huren, sich einsam zur Weihnacht berauschend;Wassermädchen, den Gästen lauschend;Mägde, die wartend vorm Haus stehn,Können ergreifend schön aussehn.

Je mehr VerzichtAus der Dummheit spricht,Desto tiefer neigtDesto höher steigtSie. – Warum zagte der DichterVor dem Titel „Madonnengesichter“?

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Flugzeuggedanken, 1. Auflage, Ernst Rowohlt Verlag, Berlin, 1929
Digitalisat
de.wikisource.org — „Madonnengesichter“, Fassung 3.780.456 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Joachim Ringelnatz starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601121 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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