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Versbuch

Frühling

Joachim Ringelnatz · 18831934

20 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 1929

Die Bäume im Ofen lodern.Die Vögel locken am Grill.Die Sonnenschirme vermodern.Im übrigen ist es still.

Es stecken die Spargel aus DosenDie zarten Köpfchen hervor.Bunt ranken sich künstliche RosenIn Faschingsgirlanden empor.

Ein Etwas, wie Glockenklingen,Den Oberkellner bewegt,Mir tausend Eier zu bringen,Von Osterstören gelegt.

Ein süßer Duft von HavannaVerweht in ringelnder Spur.Ich fühle an meiner SusannaErwachende neue Natur.

Es lohnt sich manchmal, zu lieben,Was kommt, nicht ist oder war.Ein Frühlingsgedicht, geschriebenIm kältesten Februar.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Flugzeuggedanken, 1. Auflage, Ernst Rowohlt Verlag, Berlin, 1929
Digitalisat
de.wikisource.org — „Frühling (Ringelnatz)“, Fassung 2.333.356 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Joachim Ringelnatz starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601121 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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