Freund und Freund versäumen sich
Joachim Ringelnatz · 1883–1934
18 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 1932
Wollen wir uns vergessen?Weil man an Fremden Geld gewinnt.Indessendie kränkelnde Zeit verrinnt.
Müde und hohlerWird Gleichtagsglück.Denk ich an unsere Hochflut zurück,Dann wird mir wohler.
Noch haben wir's, uns zu beschenken,Zu eifern, wie jedes das andre erfreut.Wollen wir uns so lange bedenken,Bis Lebendes hinter Verstorbnem bereut?
Ist doch noch nichts zerstört. —
Denke dir: Gestern sangEin Nachtkehlchen immerzu.Hab jahrelang keins gehört. —Wie lange singt es? — Wie langIst das Leben? Und wo bist du?
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Gedichte dreier Jahre Seite 73, 1. Auflage, Ernst Rowohlt Verlag, Berlin, 1932
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Freund und Freund versäumen sich“, Fassung 3.026.890 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Joachim Ringelnatz starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601121 der Deutschen Nationalbibliothek.
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