Frankfurt am Main, Januar 1924
Joachim Ringelnatz · 1883–1934
20 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 1928 (EA 1927)
Hier hab’ ich den Teufel gesehn.Er ging durch die schnurrigen GassenUnd hat etwas fahren lassenAbends vor zehn.
Fand wieder Freunde lieb und wert.Und manche haben mich entdeckt.Ich weiß: der Apfelwein schmecktGut, aber er zehrt.
Wie du mich wohl wiedersiehst?!Ich habe vor steifen LeutenEinen Pferdeapfel gespießt.Ob die sich innerlich freuten?
Mag es hier billig, teuer,Interessant oder langweilig sein.Mir ist dies Frankfurt am MainSo angenehm nicht recht geheuer.Und mir gefällt’s.
So nehme ich jede Fremde,Als schliche ich nachts im HemdeDurch Korridore eines Hotels.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Reisebriefe eines Artisten, S. 94, 5.–9. Tausend, Ernst Rowohlt, Berlin, 1928 (EA 1927)
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Frankfurt am Main, Januar 1924“, Fassung 1.079.880 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Joachim Ringelnatz starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601121 der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.