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Versbuch

Fresia

Joachim Ringelnatz · 18831934

21 Zeilen · zuerst gedruckt 1910

Fresia heißt eine blasse BlüteVornehmer, feiner Art.Ihre Linien sind weich und zart.Auf dem Seidengelb prangen erglühteRosige Schatten.Fresia füllt mit liebesmatten,Schweren, süßen Wolken die Luft,Haucht einen heißen, sündigen Duft,Der dir indische Märchen erzählt,Der, vom Winde zerstäubt,Dich lange noch quält,Der dich belügt und dich schmeichelnd betäubt.Ihre Schönheit birgt kein Gemüt.Du lernst sie hassen.Fresia mußt du rauh befassen,Mußt sie töten, eh sie verblüht.Ihre Schwäche und GüteWerden von vielen verkannt. – –Fresia heißt die Blüte. – – –Fresia ist auch ein Mädchen,Das ich nach dieser Blüte benannt.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Gedichte, S. 17, 1. Auflage, Hans Sachs-Verlag Schmidt-Bertsch & Haist, München, Leipzig, 1910
Digitalisat
de.wikisource.org — „Fresia“, Fassung 2.533.147 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Joachim Ringelnatz starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601121 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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