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Versbuch

Frankfurt an der Oder

Joachim Ringelnatz · 18831934

23 Zeilen · zuerst gedruckt 1928 (EA 1927)

Nicht Oderkrebse aß ich,Nein: ersten frischen BlumenkohlMit Bröseln. Dazu las ich,Was du mir so ausführlich schriebst,Daß du die Miete schuldig bliebst.Ich freute mich, daß du mich liebst.Die Miete, die vergaß ich.Denn Frankfurt war so spaßig.Besonders weil’s Karfreitag war,Guten Tag. Wie geht es? Leben Sie wohl.War alles Langerweile voll.Ich frug den Mixer an der Bar,Was man an Frankfurt rühmen soll.Da mußte der geradeMal raus. Und das war schade,Denn bald darauf ging schon mein Zug.Ich konnte nicht mehr wartenUnd hatte just noch Geld genugFür ein paar Ansichtskarten.Ich preßte allen Witz herausUnd schrieb mit stumpfer FederAn alle Freunde: „Grüße ausFrankfurt an der Entweder.“

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Reisebriefe eines Artisten, S. 40, 5.–9. Tausend, Ernst Rowohlt, Berlin, 1928 (EA 1927)
Digitalisat
de.wikisource.org — „Frankfurt an der Oder (Ringelnatz)“, Fassung 1.079.923 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Joachim Ringelnatz starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601121 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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