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Versbuch

Einsamer Spazierflug

Joachim Ringelnatz · 18831934

24 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 1929

Nun ich wie gestorben binUnd wurde ein Engelein,Fliege ich über dein Wohnhaus hin.Häuschen klein.

Die du als Witwe wieder umworbenSein magst,Da ich doch schon verstorbenBin –. Was du wohl sagst?Ob du gefaßt bist oder klagst?

Oder ob dein Humor wieder steht,Du dessen eingedenk bist,Daß ein aufrichtiges GebetEin unterweges Selbstgeschenk ist?Ach, wie es dir wohl geht?

Ob du dich verlassen meinst?Ob du gar Gott verneinst,Anstatt daß du dankbarBist. Wüßte ich, daß du jetzt so weinstWie einst, da ich krank war,Kippte ich die Maschine kurzSteil ab auf Sturz.

Oder sollte einem EngeleinSolch ein KegelpurzVerboten sein??

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Flugzeuggedanken, 1. Auflage, Ernst Rowohlt Verlag, Berlin, 1929
Digitalisat
de.wikisource.org — „Einsamer Spazierflug“, Fassung 3.780.269 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Joachim Ringelnatz starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601121 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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