Eisenbahnfahrt
Joachim Ringelnatz · 1883–1934
28 Zeilen in 7 Strophen · zuerst gedruckt 1928 (EA 1927)
Weine nicht Abschiedstrauer.Es biegt sich alles sowieso.Unterm moralischen PopoBrennt nichts so heiß wie Dauer.
Und weil es uns so langeSo schlecht erging – nein noch zu gut!Sei nicht mehr bange.Mir macht die Eisenbahn jetzt Mut.
Dann fuhr der Zug. – Mein Vis-à-vis,Mann mit Begleiterinnen,Die wollten – ach ich kenne die –Ein Fettgespräch beginnen.
Aus Fett, im Fett und über Fett.Ich aber wünschte ihnenIm stillen ein bequemes BettMit Syrup und mit Bienen.
Ich stierte fremd und sprach kein Wort.Doch all mein Leid erwachte,Daß ich mich einschloß im AbortUnd rauchte dort und dachte.
Es stinkt im EisenbahnklosettNach jedermann und kläglich.Doch sowas stinkt wohl täglichAus jedermann und jedem Bett.
Es kann die Bahn, ein Mensch, ein GaulAusgleiten und entgleisen. –Denk nicht zu viel und halt dein MaulAuf Reisen!
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Reisebriefe eines Artisten, S. 14–15, 5.–9. Tausend, Ernst Rowohlt, Berlin, 1928 (EA 1927)
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Eisenbahnfahrt“, Fassung 1.159.703 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Joachim Ringelnatz starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601121 der Deutschen Nationalbibliothek.
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