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Versbuch

Das Lied der Waise

Rainer Maria Rilke · 18751926

17 Zeilen in 6 Strophen · zuerst gedruckt 1906

Ich bin Niemand und werde auch Niemand sein.Jetzt bin ich ja zum Sein noch zu klein;aber auch später.

Mütter und Väter,erbarmt euch mein.

Zwar es lohnt nicht des Pflegens Müh:ich werde doch gemäht.Mich kann keiner brauchen: jetzt ist es zu frühund morgen ist es zu spät.

Ich habe nur dieses eine Kleid,es wird dünn und es verbleicht,aber es hält eine Ewigkeitauch noch vor Gott vielleicht.

Ich habe nur dieses bischen Haar(immer dasselbe blieb),das einmal Eines Liebstes war.

Nun hat er nichts mehr lieb.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Das Buch der Bilder 2. Buch Teil 12, S. 140, Zweite sehr vermehrte Auflage, Axel Junker Verlag, Berlin / Leipzig, Stuttgart, 1906
Digitalisat
de.wikisource.org — „Das Lied der Waise“, Fassung 2.357.773 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Rainer Maria Rilke starb 1926; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1996 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601024 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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