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Versbuch

Arm Ding

Joachim Ringelnatz · 18831934

15 Zeilen in 3 Strophen · zuerst gedruckt 1934

Ich war erwacht und konnte den Morgen nicht grüßen.Mich drückten Sorgen; die fanden die Menschheit so schlecht.Ein Schmetterling saß verirrt auf dem Bettrand zu Füßen,Hielt seine Samt-Flügel-Flächen wagerecht.Und war so schön und so jung, wie der Morgen,So rein, wie der Morgen vom Schöpfer gedacht.Ich trug ihn vors Fenster. – Doch meine SorgenVerdämmerten wieder, was in mir erwacht.

Mir war Unrecht geschehn. Ich bedauerte mich,Empfand mein Leid, ohne daß ich verglich.

Und ein trüber, gelähmter Tag verging.Der Abend begann, alles abzuschließen.Da lag vor dem Haustor auf schmutzigen FliesenEin regenzerschlagener Schmetterling. –Arm Ding!

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Gedichte, Gedichte von Einstmals und Heute S. 77-78, Ernst Rowohlt, Berlin, 1934
Digitalisat
de.wikisource.org — „Arm Ding“, Fassung 3.779.213 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Joachim Ringelnatz starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601121 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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