Augsburg
Joachim Ringelnatz · 1883–1934
22 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 1928 (EA 1927)
Ich bin da im Weißen LammAbgestiegen.Leider ließ ich im Zug deinen schönen, neuen SchwammLiegen.Mir bleibt nichts verschont.Hier hat auch Goethe gewohnt –Wollte sagen „erspart“. –
Augsburg hat doch seine Art;Besonders wenn Markt ist, und Zwiebeln, verhutzelte WeibleinUnd Butter und Gänse auf steinaltem Pflaster sich tummeln.
Dort, wo früher Hasen- und Hundemarkt war,Schreib ich diesen Brief. Eine wunderlicheGanz enge Kneipe – Marktleute – Kupferstiche –Nur Schnäpse –
Verzeih, mir ist nicht ganz klar,Aber sonderbar.Schade nur um den herrlichen Schwamm!Die ihn finden, die freun sich.
Auf der Reise nach Italien 1790.Es lebe Goethe! Das Lamm! Und der Schwamm!Ach was! Schwamm drüber! Punktum Streusand!Prosit: es lebe Neuseeland.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Reisebriefe eines Artisten, S. 127, 5.–9. Tausend, Ernst Rowohlt, Berlin, 1928 (EA 1927)
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Augsburg (Ringelnatz)“, Fassung 1.087.314 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Joachim Ringelnatz starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601121 der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.